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Neue Spielformen

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Kinderfußball im Überblick

Nach ersten Testläufen ist das Modell für G- und F-Jugend in der Saison 2021/2022 in die nächste Stufe der Pilotphase gegangen. Bei der G-Jugend folgt ab 2022/2023 die flächendeckende Umstellung. Die bundesweit einheitlichen Zielsetzungen stehen im Zentrum des Projektes, lassen jedoch unterschiedliche Lösungswege zu. So können die umgesetzten Spielmodelle (z. B. Spiel auf zwei oder vier Tore, mit oder ohne Torschusszone etc.) von Landesverband zu Landesverband variieren. Welches Spielmodell bzw. welche Spielmodelle für das jeweilige Alter am besten sind, wird die Praxis zeigen.

Was hat es mit den neuen Spielformen auf sich?
Das Spielen mit dem Ball am Fuß und das Erzielen von Toren sind die zentralen Gründe, warum so viele Kinder und Jugendliche Freude am Fußball haben. Die neuen Spielformen sollen allen Kindern auf dem Platz so häufig wie möglich die Chance geben, den Ball selbst am Fuß zu haben, eigene Aktionen zu haben, Tore zu erzielen und damit persönliche Erfolgserlebnisse zu haben. Deshalb soll auf kleinere Teams und viel Abwechslung gesetzt werden. Dies soll nicht nur die individuelle sportliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen fördern, sondern nach dem Amateurfußball-Kongress 2019 nicht zuletzt auch den gesamten Fußball und seine Vereine an der Basis stärken. Die neuen Spielformen beziehen sich grundsätzlich auf die Altersklassen G-, F- und E-Jugend. In der Pilotphase liegt der Fokus bei der G- und F-Jugend, so dass die neue Spielphilosophie langsam „mitwachsen“ kann. 



Was besagen die neuen Spielformen genau?
G-Jugend (U6/U7): Es wird 3 gegen 3 (alternativ 2 gegen 2) auf zwei Tore gespielt. Ein Team besteht aus drei Feld- und min. einem Rotationsspieler*in. Es wird ohne Torwart*in gespielt. Nach jedem Tor wechseln beide Mannschaften automatisch jeweils eine/-n Spieler/-in. Gespielt wird an den Spielenachmittagen in Turnierform, empfohlen sind bis zu acht Durchgänge à fünf Minuten. Nach jedem Durchgang gehen die Gewinnerteams jeweils ein Spielfeld weiter, die Verliererteams jeweils um ein Spielfeld zurück. Dadurch werden weitgehend ausgeglichene Spiele mit wenigen extremen Ergebnissen erreicht, es ergibt sich ein ausgewogeneres Leistungsniveau und daraus resultierend weniger Frust für die Kinder. Auf der anderen Seite bietet der Modus einen zusätzlichen Anreiz, immer wieder „aufsteigen“ zu können. Weitere alternative Spielvarianten sind ebenfalls möglich. Turniersieger werden hierbei definitiv nicht ermittelt!  

F-Jugend (U8/U9): Es wird 5 gegen 5 (mit TW) / alternativ 3 gegen 3 /4 gegen 4 (ohne TW) auf zwei Tore gespielt. Dabei wird ein Team durch maximal einen/zwei Rotationsspieler/n*innen ergänzt. Die jeweilige Spielform ist abhängig von der tatsächlichen Anzahl der Spieler*innen am Spieltag. Vorgeschlagene Spielzeit pro Durchgang sind hier fünf bis acht Minuten. Klare Empfehlung ist es, sich in der F-Jugend auf das 3 gegen 3 (U8) bzw. 5 gegen 5 (U9) zu konzentrieren, um wie beschrieben allen Kindern mehr Ballaktionen zu ermöglichen. Sowohl beim 3 gegen 3 als auch beim 5 gegen 5 gehen nach jedem Durchgang die Gewinnerteams jeweils ein Spielfeld weiter und die Verliererteams um ein Spielfeld zurück. Weitere alternative Spielvarianten sind ebenfalls möglich. Turniersieger werden hierbei definitiv nicht ermittelt!  

E-Jugend (U10/U11): Der Fokus liegt zunächst bei der G- und F-Jugend. Dennoch lassen sich Inhalte und Zielsetzung ideal auch auf die E-Jugend übertragen. Es wird im 5 gegen 5 oder im 7 gegen 7 gespielt. Beim 5 gegen 5 gelten die Regelungen analog zur F-Jugend. Beim 7 gegen 7 (Spielfeldgröße: 55 x 35 m) wird auf zwei Kleinfeldtore gespielt, also mit sechs Feldspielern*innen und einem/einer Torwart*in pro Team. Sind nur zwei Mannschaften anwesend, werden vier Spiele á 15 Minuten empfohlen. Für die Einwechselspieler*innen sollte auf einem Nebenspielfeld ein 2 gegen 2 oder 3 gegen 3 aufgebaut werden. Beim 7 gegen 7 wird die Partie nach einem Ausball erstmals mit Einwurf fortgesetzt. Beim 2 gegen 2, 3 gegen 3 und 5 gegen 5 erfolgt die Spielfortsetzung stets per Einschießen oder Eindribbeln.  



Was sind die Gründe für die neuen Ansätze?
Durch die neue Ausgestaltung wird der Fußball in den betreffenden Altersklassen kindgerechter. Denn: Je größer die Gruppen, desto weniger Ballkontakte haben die einzelnen Spieler und Spielerinnen. Gerade leistungsschwächere oder auch körperlich unterlegene Kinder gehen zum Teil unter und verlieren dadurch den Spaß am Spiel und die Chance auf Weiterentwicklung. Die neuen Spielformen sollen den Kindern bessere Möglichkeiten bieten, Fußball so zu spielen, dass sie häufig am Ball sind und dabei Spaß haben. Aktuell wird im Kinderfußball häufig zu früh Wert auf Taktik gelegt, worunter die Ausbildung der fußballerischen Grundlagen leidet. Dies haben viele Untersuchungen gezeigt. Die neuen Spielformen sollen diesem Problem entgegenwirken.  

Die neuen Spielformen verringern den Einfluss der Trainer*innen und Eltern auf das Wettkampfgeschehen und fördern damit die Selbstständigkeit der Spieler*innen. Die Kinder lernen, verstärkt eigene Lösungen zu finden. Der neue Modus bringt mit sich, dass mehr Spiele verloren und gewonnen werden, sodass Kinder auch den Umgang damit noch besser erlernen.  

Das Konzept stellt zudem eine weitere gemeinsame Maßnahme dar, das Ausbildungs- und Talentfördersystem in Deutschland weiterzuentwickeln.  

Was sind die größten Vorteile?
Jedes Kind spielt mit und hat Aktionen am Ball. Die Kinder spielen ein Spiel, das ihren Fähigkeiten und Interessen gerecht wird. Und: Die Kinder erlernen noch besser grundsätzliche Werte des Fußballs – nämlich: Fairplay, Freude am Spiel sowie Umgang mit Siegen und Niederlagen.  

Was passiert in der Saison 2022/2023 genau? Kommt das schon bundesweit und sind die neuen Spielformen grundsätzlich beschlossene Sache?
Grundlegende und verpflichtenden Regelungen wurden vom DFB-Bundesjugendtag und DFB-Bundestag 2022 für die Spielzeit ab 2024/2025 beschlossen. Bis dahin gilt es möglichst weitere wichtige Erfahrungen zu sammeln, den Spielmodus bei den jüngsten einzuführen und mitwachsen zu lassen und Routine bei den organisatorischen Abläufen zu gewinnen.

In der aktuellen Pilotphase stehen bundesweit die einheitlichen Zielsetzungen im Zentrum des Projektes und lassen „noch“ unterschiedliche Lösungswege zu. So können die umgesetzten Spielmodelle von Landesverband zu Landesverband variieren. Welches Spielmodell bzw. welche Spielmodelle für das jeweilige Alter am besten sind, wird die Praxis zeigen. Der DFB empfiehlt im Kinderbereich immer die aus fachlicher Sicht beste Spielform. Es ist natürlich eine Umstellung, die auch organisatorisch bewältigt werden muss. Am Ende werden die Kinder durch ihre Begeisterung über das weitere Vorgehen entscheiden.

Im FLVW sind die Kreis-Jugend-Ausschüsse für den kreislichen Spielbetrieb verantwortlich. Ab der Saison 2022/2023 erfolgt in den 29 FLVW-Kreisen die Umstellung bei der G-Jugend auf die neuen Spielformen. Die Basis für die Umsetzung bildet das „FLVW-Regelwerk 2022“. Neben einer Standartvariante gibt es auch kreative Ergänzungsmöglichkeiten zur weiteren Steigerung der Abwechslung und Attraktivität.

Bei der F-Jugend ist in der Saison 2022/2023 noch die bisherige Spielbetriebsorganisation im 7 gegen 7 möglich. Zur Vorbereitung der Einführung der neuen Spielformen sind die Kreise angehalten, bereits jetzt einen Parallelspielbetrieb anzubieten oder gezielte Pilotveranstaltungen auszurichten. In einigen Kreisen erfolgte bereits jetzt erfolgreich eine Umstellung auf die neuen Spielformen auch bei der F-Jugend.

Ist das noch „echter Fußball“?
Natürlich. Fußball heißt: zwei Mannschaften, Tore und ein Ball. Was macht den Fußball aus? Spiel, Spaß, Tore – genau das wird mit dem neuen System gefördert. Kinder können auf vielfache Art und Weise, Tore erzielen - vor allem auch die Kinder, die (noch) nicht zu den leistungsstärksten gehören. Zudem dribbeln die Kinder häufiger und haben mehr Ballaktionen, was die Technik fördert und jedes einzelne Kind sportlich verbessert. Auch das Verteidigen wird dadurch intensiver und individueller geschult.  

Was ist mit Ergebnissen und Tabellen, was ist mit Schiedsrichter*innen?
Ergebnisse werden nicht festgehalten, aber jedes einzelne Spiel wird gewertet und Mannschaften steigen während des Turniers in das nächste Feld auf oder ab. Insofern gibt es durchaus Sieger*innen und Verlierer*innen – eine Erfahrung, die auch für Kinder nicht unwichtig ist. Aufgrund der Vielzahl an Spielen sind die einzelnen Ergebnisse in den neuen Spielformen allerdings auch schneller wieder vergessen. Tabellen und Schiedsrichter*innen gibt es nicht. Die Trainer*innen und Betreuer*innen fungieren als gemeinsame Spielleiter*innen und greifen nur bei Bedarf ins Geschehen ein. Die Entscheidungen während der Spiele sollen von den Kindern weitestgehend selbst getroffen werden – so wie es seit einigen Jahren ohnehin schon in der G- und F-Jugend praktiziert wird (Fair-Play-Liga) und wie es jahrzehntelang auf den Bolzplätzen gewohnt war, auf denen viele tolle Fußballer*innen groß wurden. Ebenso wie in der Fair-Play-Liga gilt: Eltern, die nicht als offizielle Betreuer*innen fungieren, können ihre Kinder unterstützen, haben jedoch einen Mindestabstand zu den Spielfeldern einzuhalten.  

Werden schwächere Spieler*innen nicht demotiviert, weil Leistungsunterschiede noch deutlicher zutage treten?
Im Gegenteil: Bei den bisherigen Spielformen in den unteren Altersklassen (7 gegen 7) ist es viel eher der Fall, dass die langsameren und weniger talentierten Spieler/-innen kaum an den Ball kommen und häufig auf Positionen spielen, die sie vom eigentlichen Spielgeschehen fernhalten. Mit dem neuen Modus werden alle Kinder eng einbezogen und erhalten in ihrem Team Ballaktionen und -kontakte. Durch das Auf- und Absteigen in den Spielfeldern anhand der Spielergebnisse während der Turniere ist außerdem gewährleistet, dass verstärkt Teams aufeinandertreffen, die ein ähnliches Leistungsniveau haben.  

Welche Herausforderungen stellen sich organisatorisch für die Vereine?
Vereine benötigen Tore und im Idealfall einige Betreuer*innen. Dafür können beim Spielenachmittag Eltern genutzt werden. Gerade in der F- und G-Jugend sind diese häufig noch mit auf dem Sportplatz. Mini-Tore können bei Bedarf durch Hütchen und Stangen ersetzt werden. Schöner sind sicherlich Mini-Tore mit Netzen, in denen der Ball „zappelt“. Die Verbände arbeiten zusammen daran, die Vereine bei der ersten Durchführung von Wettbewerben in der Organisation, aber auch bei der Anschaffung von Toren unterstützen zu können. Auch hier gilt es, in der Pilotphase gemeinsam Erfahrungswerte zu sammeln, aus denen weitere Maßnahmen und Ergänzungen abgeleitet werden können.  



Wie werden die neuen Spielformen im DFBnet abgebildet?
Das ist derzeit noch in Abstimmung und Erarbeitung. Eine zentrale Planung für die im DFBnet gemeldeten Mannschaften soll für die Staffelleiter*innen der Kreise in SpielPLUS ab der Saison 2022/2023 zur Verfügung stehen. Ferner steht die Teampunkt-App des DFB zur Verfügung, mit der Vereine sich für den Turniertag organisatorisch abstimmen können (z. B. Anzahl Spieler*innen, Spielfeldaufbau, benötigtes Material „Tore, Hütchen …). Für die Vereine besteht zudem die Möglichkeit, über das Modul Vereinsturniere eine Veranstaltung (Zuordnung Vereinsmannschaften, Spielstättenbelegung) anzulegen und unter Modus „Kinderfußball – Spielplanung vor Ort“ auswählen.

Inwieweit ist es problematisch für die Torhüter*innen-Ausbildung, wenn in den ersten Jahren ohne Keeper gespielt wird? Wann muss Torhüter*innen-Ausbildung zielgerichtet beginnen?
Zwingend ohne Torhüter*in wird bei den neuen Spielformen lediglich in der G-Jugend (Alter: 4 bis 6 Jahre) agiert. Im Kindesalter stehen vielfältige Bewegungserfahrungen sowie Spaß und Freude am Fußball im Mittelpunkt. Positionsspezifische Aspekte, auch im Torwartspiel, spielen für den Ausbildungsgedanken noch keine Rolle. Natürlich sollen auch Torschussspiele im Training stattfinden, in denen sich jeder im Tor ausprobieren kann. Ab der F-Jugend ist alternativ auch ein 5 gegen 5 auf Kleinfeldtore (also mit Torwart) möglich.

Downloads:

  • Regelwerk FLVW-Kinderfußball Halle
  • Philosophie Kinderfußball
  • FLVW-Trainer-/Betreuerregeln
  • Flyer Eltern FairPlay

Weiterführende Informationen:

  • Kinderfußball im FLVW: Spielregeln und Organisation
  • Trainer*innen im Kinderfußball
  • FLVW-Spielabzeichen KiFuß und Westfalenpferdchen
  • Weiterführende Infos und Materialien auf dfb.de/Kinder
  • Das passende Tor beim FLVW-Partner BazookaGoal

Ansprechpersonen

SG Sven Günther

Referent Jugendfußball

Sven Günther

...
(0 23 07) 371 503
CB Carsten Busch

Verbandsportlehrer

Carsten Busch

...
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